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Physik-Leistungskurs 1994/96

Abizeitung ’96 – an der Schwelle zum digitalen Zeitalter

Fünfzehn Jahre und zwei Wochen ist es her, dass 54 Leute unseres Jahrgangs in Königsbrunn ihr Abiturzeugnis erhielten. Kohl war noch Kanzler, und in meiner Heimatstadt Königsbrunn kam kurz zuvor derselbe Bürgermeister ins Amt, der dieses auch heute noch bekleidet. Die hippen Leute (also 1-2 unseres Jahrgangs, ich bestimmt nicht) fuhren nach Berlin zur Loveparade, die damals als noch unblutiges Spektakel Millionen anzog (oder auszog?).

Und was hatten wir kurz davor gemacht? ja, als letzten Schritt nach und während den formalen Abiturprüfungen gab es natürlich auch die Abizeitung fertigzustellen. Neulich beim Abitreffen fiel sie mir wieder in die Hände, und es liegen schöne und im Rückblick auch technologisch interessante Erinnerungen darin.

Werbung und Disketten

Unsere Abizeitung war gut durchkalkuliert. Werbeanzeigen bekamen wir damals meist noch auf Folien und scannten sie dann selbst ein, einige progressive Firmen hatten sie sogar schon auf Diskette. Für die jüngeren unter den Lesern: Das sind magnetische Scheiben in einer festen Plastikhülle, etwas kleiner als eine Scheibe Toastbrot, auf die soviel Daten passen wie eine Minute eines MP3-Liedes.Auf eben solchen Disketten bekamen wir dann auch meist die einzelnen Artikel zugeliefert, und einige wenige konnten sie sogar schon per eMail schicken.

Scanner und Festplatte

LK Physik-SeiteÜberhaupt war das Thema Datenvolumen allgegenwärtig in unserer Gruppe der Redakteure. Einer unter uns hatte einen ordentlichen Scanner. Und wieder für die jüngeren: Damals gab es noch keine Digitalkameras. Man machte als Laie Fotos auf Papier und legte diese dann in ein Gerät namens Scanner, das daraus Bilddateien erstellen konnte. Das war langwierig, jedes Bild einzeln auf die Glasscheibe zu legen und die Farbeinstellung zu kalibrieren. So saßen wir also zu zweit einen Tag dort und scannten Fotos ein.

Falls nötig Scannerscheibe und Foto reinigen. Foto auflegen, geraderichten. Sanft die Klappe schließen, damit nichts verrutscht. Farbkalibrierung und Voransicht scannen. Beschnitt festlegen. Scannen. Datentransfer abwarten. Datei speichern. Etwa vier Minuten je Foto.

Dann kam der Punkt, an dem die Festplatte voll war mit ein paar hundert Megabyte Fotos. Nun besaß ich zwar ein Iomega Zipdrive mit unglaublichen 100 Megabyte Speicherkapazität (Leihgabe Vater), doch war dies viel zu langsam und entsprechende Medien hatten wir auch zu wenig. Also hieß es die Festplatte auszubauen und mitzunehmen.

Fotos und Wartezeit

Fotomontage LK Wirtschaft/Recht Für mich war noch eine Zwischenstufe zu tun: Zwei der Fotos sollten Fotomontagen sein, die eine möglichst realistisch aus zwei verschiedenen Fotos zusammengesetzt, die andere eine bewusst unrealistische Inszenierung aus vier Fotos. Wer jemals Mitte der neunziger Jahre mit einem mittelprächtigen PC druckbare Bildbearbeitung gemacht hat, lernte Geduld. Jedes Maskieren, jeder Schneide- und Kopiervorgang, jedes Aufhellen oder Abdunkeln brauchte bei der »hohen« Auflösung zwischen zwei und zwanzig Minuten, Zeit, in der der Computer auch für nichts anderes zu gebrauchen war. Wie auch, hatte doch der Computer ganze 64 Megabyte Hauptspeicher, das Bildbearbeitungsprogramm mitsamt Fotodaten belegte jedoch weit über 180 Megabyte. Das Betriebssystem war also die ganze Zeit am Auslagern (»swappen«). Cover der Abizeitung, von Alexander Eggstein

Genau das taten dann auch die Computer, die für das Layout zum Einsatz kamen. Programm der Wahl war CorelDraw, damals der Gigant der vektororientierten Bildbearbeitung und mit dem Vorteil, dass zwei von uns es besaßen. Und mit dem unschätzbaren Vorteil gegenüber Word für Windows, dass CorelDraw eben stabil lief. Pro Seite entstand eine separate Datei, die ein improvisiertes Netzwerk mit Koaxialkabeln hin- und hergesichert wurde. Für die jüngeren: früher gab es als Netzwerkkabel ähnliche wie die, die man heute als Antennen- oder Satellitenkabel kennt. Die Datenrate lag bei wenigen Prozent dessen, was heute üblich ist.

Doch all die Rechnerpower half nichts: Es war aussichtslos, das Cover, welches wir mangels williger Künstler in unserem Jahrgang extern an meinen Freund Alex vergaben, in der geforderten Auflösung einzuscannen und den Schriftzug digital auf das Gemälde zu bringen. Also entwarf ich den Schriftzug, bearbeitete die Fotos unseres Direktorats, druckte alle Elemente aus und verbrachte eine schöne Stunde mit Cutter und Schere, um das ganze dann auf das Gemälde zu kleben. Dieser Teil der Abizeitung ging also tatsächlich noch ganz klassisch als Papiercollage an die Druckerei. Für die jüngeren: eine Collage ist eine oft mit Schere und Klebstoff erstellte Zusammenstellung verschiedener Bildelemente. Es blieb der einzige Teil der Zeitung, den wir tatsächlich nicht digital erstellen konnten.

Fortschritt

Ich finde den Fortschritt faszinierend. Heute passt ein Vielfaches des gesamten Datenvolumens eines damaligen Computers auf einen kleinen USB-Stick. Bildbearbeitung in Sachen Belichtung und Schärfe korrigieren kann ich heute auf vielen Fotos gleichzeitig vornehmen (Lightroom sei Dank), und an Fotos komme ich ohne Umweg über Labor oder Dunkelkammer. Die Dunkelkammer nutzen einige heute noch, jedoch weil sie es wollen, nicht mehr mangels Alternativen.

Wir waren am Beginn der Zeit, in der alle diese Aufgaben auch von Halb-Laien mit dem Computer erledigt werden konnten. Profis hatten damals schon mehr Möglichkeiten, die für uns aber unerschwinglich waren. Wenige Jahre vorher wurden Texte und Fotos noch auf Papier zusammengefügt und als solches an die Druckerei gegeben. LaTeX als Textsatzsystem war erst wenige Jahre zuvor entwickelt worden. Wenige Jahre später fotografierte man schon digital, Bildbearbeitung war ein Klacks und die gesamten Rohdaten passten auf einen USB-Stick in der Größe eines Feuerzeugs. Damals war es der Übergang der meisten Bürotätigkeiten auf den Computer überhaupt (als Massenphänomen), heute ist es der Übergang ins Web (als Massenphänomen).

Ich lebe technologisch gern im Heute, und freue mich auf morgen.

Wie war das bei Euch? Wer hat noch mit Papierprototypen gearbeitet? Was sind Eure Abizeitungs-Erfahrungen?

6 Gründe warum Inhalt und Layout getrennt sein sollten (und in LaTeX sind)

LaTeX (ausgesprochen »Lah-Tech«) ist anders als Textverarbeitungsprogramme. Ganz anders. In einem Textverarbeitungsprogramm wie Word™ schreiben Sie Ihren Text und bestimmen gleichzeitig das Aussehen Ihres Dokuments. Da Sie jede Änderung des Dokuments sofort sehen können, spricht man hier gemeinhin von What-you-see-is-what-you-get (WYSIWYG).

Warum das eigentlich zwei Aufgaben sind, lesen Sie hier.

  1. Das Lesen eines Dokuments soll ermüdungsfrei und angenehm sein. Diese Forderung kommt zum inhaltlichen Anspruch einer wissenschaftliche Arbeit dazu. Das Layout des Dokuments hat also in erster Linie diesen Zweck zu erfüllen, nicht besonders auffällig oder künstlerisch extravagant zu sein. Nicht umsonst war und ist die Gestaltung eines Schriftstücks als auch dessen Satz eine Handwerkskunst, die seit Jahrhunderten verfeinert wird. Seit es Textverarbeitungsprogramme gibt, ist diese Trennung der Aufgaben nicht mehr gewährleistet, was uns zum nächsten Grund bringt.
  2. LaTeX stellt die ursprüngliche Trennung der Aufgaben von Schreiben und Satz wieder her. Während des Schreibens konzentrieren sich allein auf Inhalt und Bedeutung des Textabschnitts, und kümmern sich zunächst nicht darum, wie etwas später aussehen soll. Sie werden sehen, wie das Schreiben an Qualität gewinnt, sobald der Kopf frei dafür ist, eben weil Sie nicht immer das endgültige Aussehen vor sich haben. Seien sie ehrlich: Wie oft mussten Sie bis jetzt die inhaltliche Arbeit an einem Text unterbrechen, weil Sie zum Beispiel am Layout einer Tabelle feilten? LaTeX trennt den Inhalt vom Layout, stellt aber die Option zur Verfügung, jederzeit eine Voransicht zu erzeugen, die Sie am Bildschirm begutachten oder drucken können.
  3. In LaTeX steht der Inhalt im Vordergrund, und die logische Struktur des Textes. Sie sehen die Ausgabe während des Schreiben nicht immer vor sich. Die Struktur geben Sie über sogenanntes Markup vor, Sie fügen dafür Layoutbefehle ein. Der Gestalter – LaTeX – nimmt dieses Markup und interpretiert dieses, stellt das Layout zusammen und legt fest, wie die einzelnen Textteile auszusehen haben. Der Setzer – TeX – erstellt die druckfertige Ausgabe aus den Anweisungen des Gestalters. Nachteilig mag erscheinen, dass man die Layoutbefehle kennen muss. Doch unterstützen Sie dabei spezielle Editoren für LaTeX, die Menüs, Knopfleisten und Tastaturkürzel bieten.
  4. LaTeX gewährleistet Portabilität und Sicherheit.Textverarbeitungsprogramme speichern ihre Dokumente in sogenannten Binärdateien, also Dateien, die man nur mit dem Programm lesen kann, mit dem sie auch gespeichert wurden. Ist die Datei defekt, weil beispielsweise durch den Absturz eines Programms oder des Betriebssystems Teile durcheinander gekommen sind oder fehlen, ist das Dokument in der Regel verloren.LaTeX wird in lesbaren Textdateien gespeichert, aus welchen später die Ausgabe erzeugt wird. Diese Textdateien können mit jedem beliebigen Editor bearbeitet werden. Selbst wenn ein partieller Datenverlust entsteht, können Sie mit dem Rest weiterarbeiten. Dieses Speichern in einfachen Textdateien sorgt auch dafür, dass LaTeX-Dokumente unter jedem Betriebssystem bearbeitet werden können (auch auf dem iPhone oder Android!), selbst wenn kein LaTeX-System vorhanden ist. Aus dem gleichen Grund sind mit LaTeX gesetzte Dokumente immer reproduzierbar, selbst Jahre später. Ein Einzelfällen kann es sein, dass Sie Befehle oder Pakete austauschen müssen, doch den Text selbst werden Sie unberührt lassen können.

  5. Selbst das Bearbeiten von umfangreichen Dokumenten mit mehreren hundert oder tausend Seiten ist unter LaTeX problemarm. DieseZuverlässigkeit ist ebenfalls ein Ergebnis der Trennung von Inhalt und Layout, weil Sie beim Schreiben keinen grafischen Ballast mit sich tragen müssen.

  6. Die Trennung von Text, Layout und Satz hält das System modular. Seit über fünfundzwanzig Jahren ist das Satzprogramm TeX ein stabiles und annähernd fehlerfreies Programm. Donald E. Knuth hat es seinerzeit für sein Buch »The Art of Computer Programming« entwickelt, weil es kein vernünftiges System für den rechnergestützten Satz von Büchern und mathematischen Formeln gab. Da TeX aber schwierig zu benutzen ist, wurde vor Anfang der 1990er LaTeX als Aufsatz für die Gestaltung entwickelt. LaTeX machte es wesentlich einfacher, das Satzprogramm anzuwenden. Hierfür wiederum entstanden seitdem viele Erweiterungen für fast alle Arten von Dokumenten. Fortlaufend erfährt das Programm Verbesserungen und Veränderungen aus aller Welt. Leistungsfähige Pakete und Programme erlauben das Erzeugen von PDF inklusive Hyperlinks, Zitierstile aller Art, spezielle Formatierungen, ziemlich alle Schreibweisen der Erde, und so weiter. Wie’s geht, steht in meinem Buch Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LaTeX.Die Weiterentwicklungen werden gemeinnützig gefördert von den Vereinen namens TeX User Groups. Die deutsche User Group heißt Dante e. V., Deutsche Anwendervereinigung TeX. Werden Sie Mitglied oder spenden Sie an Dante e. V., wenn Sie etwas an die Gemeinschaft zurückgeben wollen.

In neuerer Zeit erkennen sogar Textverarbeitungsprogramme die Vorteile der Trennung: in den Dokumentformaten sowohl von OpenOffice.org als auch Microsoft Office Word, bei denen XML-Dateien in ein Archiv gepackt sind, existieren separate XML-Dateien für den Text und für die anzuwendenden Formatierungen.

Gefallen Ihnen die Gedanken zu Layout und Satz und Sie wollen mehr über die Umsetzung in LaTeX wissen? Dann lesen Sie mein Buch Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LaTeX, so wie schon tausende andere Leser.