
Gestern kam Internet im Fernsehen. »Hilfe, ich bin nackt«, am 15. Juni um 22:45 Uhr auf ZDF und (noch) in der Mediathek. Und natürlich hat das ZDF im Internet dazu geschrieben veröffentlicht.
Der Einstieg für den Fernsehzuschauer ist, so finde ich, noch gut zugänglich gestaltet, immerhin kann man davon ausgehen, dass bei vielen aus der Schnittmenge Fernsehzuschauer und Internetnutzer das Problembewußtsein nicht besonders ausgeprägt ist. Die Versuchsanordnung ist einfach: Man nehme den Namen einer Person und sehe, was sich alles über diese Person herausfinden läßt.
Der meiner Meinung nach beste Kommentar zur Sendung findet sich auf Twitter:
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Aber zum Experiment: Na super. Man kann tatsächlich jemanden Googeln und auf verschiedenen Portalen suchen, oha, etwas über ihn lesen wenn man bei Facebook verbunden ist. Und dritten zeigen. Das demonstriert Prof. Hendrik Speck von der FH Kaiserslautern dann auch, wobei das im konkreten Fall gar nicht notwendig ist, weil Testperson Thomas Praus auf seiner Website, die von Google auch ganz oben ausgespuckt wird, sowieso auf seine Profile im Social Web hinweist.
Als netten und doch belanglosen Zwischenstopp auf der roten Couch gibt Psychologe Michael Thiel Ideen, warum Facebook funktioniert: Der Wunsch, dazugehören, nicht allein sein, und Showbühne.
Zurück zu Prof. Speck und der dramaturgisch wunderbarer Zettelwand mit ausgedruckten Karten, Fotos und Post-It-Beschriftungen. Kennen wir ja von Profilern aus Filmen und Krimiserien. Es sind jetzt knapp 12 min vorbei und leider noch nichts über technische Wahlfreiheit gesagt. Niemand zwingt mich, diese Daten preis zu geben.
Jetzt wird vermeintlich interessant: Martina Tomaschowskis Firma hat ein Social Media Analyseprogramm. Die machen wahrhaft Ungeheuerliches: Sie verwenden frei verfügbare Information aus dem Internet. Und natürlich ist das auch ein Geschäft. Was daran nun verwunderlich oder neu sein soll, ist mir schleierhaft, denn das Geschäftsmodell ist alt: Umfrageinstitute gibt es schon lange, nur dass es jetzt eben oft auch ohne Anruf geht.
So, die Hälfte ist vorbei: Endlich kommen wir von absichtlichen, freiwilligen Angaben zu Smartphones, die in Fotos auch Ortsinformationen abspeichern können, wenn man es nicht anders konfiguriert, und über Apps allerlei Unsinn verschicken können. In Sachen Apps finde ich ja das Modell bei Android ganz angenehm: Vor der Installation wird angezeigt, welche Informationen diese App gerne verwenden würde. Da empfehle ich so wie auch der Mitarbeiter der TU Darmstadt im Beitrag: vor dem Installieren diese Angaben Lesen! Ansonsten: vielleicht hat ja das geschlossene Modell wie bei Apple doch Vorteile? Schaut Apple, was die Apps tun?
Nach 20 Minuten geht’s jetzt in die AGB von Facebook & Co. Ausgedruckt (!)zum Medienrechtler Prof. Dr. Thomas Hoeren damit. Natürlich ist vieles grenzwertig zu deutschem Recht und oftmals fragwürdig.
Bei der Konfrontation mit den Ergebnissen der Recherche gibt Testperson Thomas Praus zu bedenken, dass er das meiste davon freiwillig ins Netz gestellt hat. Manches auch nicht, wie etwa Daten von Familie. Die wiederum stehen auch nicht wirklich mit ihm verbunden im Netz, sondern das Filmteam hat die ganz alte Methode der Triangulation von Informationen eingesetzt. Das konnte ich in Zeiten von Schuljahresbericht und Telefonbuch aber auch schon. In seinem Blog teilt Praus denn auch seine Ratlosigkeit, was der Film uns sagen will.
Die Autorin geht zum Standesamt, um sich wegen der Idee des vormaligen Google-Chefs umzuhören, der im Zweifelsfall eine Namensänderung empfahl. Der Standesbeamte antwortet ebenso ahnungslos wie komisch: »Das Internet ist ein rechtsfreier Raum, das weiß doch jeder.« Ist es nicht. Nur wer eben an ein schwarzes Brett, das von jedem gelesen werden kann, Dinge schreibe, die er/sie nicht vertreten kann, dann ist demjenigern in der Tat nicht zu helfen. Sabrina Hermsens Schlussbemerkung ist dennoch für den Zuschauer hilfreich: Jeder Nutzer sollte sich bewußt machen, was er im Internet tut. Und wenn der Film nur das bei zwei Zuschauern bewirkt, dann ist’s doch schon gelungen. Meine Befürchtung ist leider eher, dass mal wieder die Ängste überwiegen und andere Internetausdrucker daraufspringen und wiedermal eine Irgendwasverschärfung fordern.
Wie immer gilt: wenn mir eine Dienstleistung wirklich nutzt, also beispielsweise Nachrichten mit Bekannten teilen (Facebook), öffentliche Pinnwand (Twitter etc.), Leute real treffen können (Foursquare etc.), sich beruflich austauschen (Xing etc.), über Videos diskutieren und hochladen (Youtube etc.) und andere, dann habe ich den Preis in Form von Information dafür zu entrichten. Ich freu mich heut noch über die Möglichkeit, meine alten öffentlichen Postings aus dem Fido-Net von Mitte der Neunziger nachlesen zu können. Foursquare dagegen nutze ich derzeit nicht, weil der Mehrwert für mich ganz persönlich nicht gegeben ist. Ja und? Auch Laurent Meister ist nicht wirklich begeistern vom dem, ebensowenig wie Johannes Zöttl.
Macht das ZDF dann eigentlich auch noch einen Beitrag über das, was Einwohnermeldeämter so mit unseren Daten anfangen?
(Bild: Helga Hauke/pixelio.de)