Schlagwort-Archiv: Gesellschaft

Warum es gut für die Diversität ist, dass Google Reader eingestellt wird

Ich mag Google Reader. Es hilft mir, die für mich relevanten Blogs und Nachrichtenseiten in einem Platz zu lesen und den Überblick zu behalten. Nun wird Google Reader, wie am Mittwoch Abend im Google Blog verlautete, zum 1. Juli verschwinden.

Nico bedauert dies, weil er seiner Herzdame jetzt wieder einen anderen Blog-Aggregator andienen muss. Heise und andere sind ganz praktisch und zeigen Alternativen. Martin Weigert stellt Google als Dienstanbieter insgesamt in Frage.

Ich sehe es als Ereignis mit wahrscheinlich positiver Wirkung auf das Softwareökosystem.

Update: Zu diesem Thema habe ich gestern zusammen mit Ulrike Langer (@mauisurfer25),  Romy Mlinz (@snoopsmaus) und Mike Frison (aka @renntv) im Digitalen Quartett diskutiert. Die Aufzeichnung gibt’s hier. Weiterlesen

Internet Gehirn. Collage aus Fotos von everyone’s idle auf Flickr, Lizenz CC-BY-SA, und bhav.bhav auf Flickr, Lizenz CC-BY.

Lesen: Nicholas Carr – The Shallows. Wer bin ich, wenn ich online bin und was macht mein Gehirn solange

Gehirn? Internet? War da nicht vor einigen Monaten ein kleiner Aufruhr im Netz, als ein Manfred Spitzer ein Buch über digitale Demenz herausbrachte? Nicholas Carr hat sein Werk »The Shallows« – zu deutsch »Die Geistlosen« – schon 2010 veröffentlicht. Er nimmt sich nicht die gesamte Digitalisierung vor, sondern beschränkt sich auf die Effekte, die beim Nutzen von Webinhalten mit der Zeit entstehen. Der Titel »The Shallows« lässt schon erahnen, dass Nicholas Carr die Entwicklung nicht unbedingt begrüßt, wird doch shallow mit seicht, oberflächlich oder geistlos übersetzt. Im deutschen heißt das Buch »Wer bin ich, wenn ich online bin…: und was macht mein Gehirn solange? – Wie das Internet unser Denken verändert«

Dieser Post erläutert die Ideen des Buches und meine Einschätzung dieser und des Themas. Weiterlesen

Bending Tree

Gunter Dueck’s book Professional Intelligence and Seth Godin’s Linchpin

Times are a changing.

Many of us feel it. After the industrialization is on its last legs, now the service sector is being automated or outsourced or rationalized away. Gunter Dueck has coined the term screen backside consulting in his previous books, a job that gradually disappears. The insurance agent that asks us questions and his computer program calculates the best fare from those will disappear, as well as the travel agent reading out loud from a travel portal reviews about destinations with which she is unfamiliar, or the used car dealers who look not at the car but only at the list calculated value. Seth Godin writes that those engaged in work that can be executed strictly according to instructions, all are subject to increasing strong cost pressure.

It is the industrialization of the working areas, first workpieces, then simple services (but who remain at the site), now consulting. Everything is being industrialized and consistently follows the lowest bidder if there are no significant differences in substance.

(This post is the English translation of my last week’s combined book review.)

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Bending Tree

Gunter Duecks Professionelle Intelligenz und Seth Godin’s Linchpin

Die Arbeitswelt ändert sich.

Viele von uns spüren das. Nachdem die Industrialisierung in ihren letzten Zügen liegt, werden nun die Dienstleistungen automatisiert oder ausgelagert oder wegrationalisiert. Gunter Dueck hat schon in seinen vorigen Büchern den Begriff Bildschirmrückseitenberatung geprägt, die nun sukzessive wegfällt. Der Versicherungsvertreter, der uns Fragen stellt und sein Computerprogramm daraus den besten Tarif ausrechnet, wird verschwinden, ebenso wie das Reisebüro, in dem Angestellte zu ihnen unbekannten Zielen Bewertungen von Portalen vorlesen, oder Gebrauchtwagenhändler, die das Auto gar nicht anschauen sondern nur den Schwacke-Wert ausrechnen. Seth Godin schreibt, das diejenigen, die Arbeiten ausüben, die sich streng nach Anleitung durchführen lassen, alle stark steigendem Kostendruck unterliegen werden oder schon tun.

Es ist die Industrialisierung der Arbeitsbereiche, zunächst Werkstücke, dann einfache Dienstleistungen (die jedoch am Ort verbleiben), jetzt Beratung. Alles wird industrialisiert und folgt konsequent dem günstigsten Anbieter, wenn es keine signifikanten inhaltlichen Unterschiede gibt.

Es kommt auf das Besondere an

Sowohl Dueck als auch Godin sagen: es kommt auf das Besondere an, das der einzelne einbringt oder eben nicht.

Bei Dueck lautet der Aufruf an jeden Einzelnen: Professionalität ist gefragt. Das schließt soziale Kompetenz ebenso ein wie Macher-Qualitäten, als auch die Fähigkeit, etwas darzustellen, einen Sinn zu stiften und kreativ zu sein. Und schliesslich ist es der eigene Antrieb, der Menschen zu sogenannten Professionals macht, nicht rein extrinsische Faktoren. Dueck spricht vom Erschaffen von Arete, einem Symbol für die Schönheit, die jeder als solche erkennt.

Seth Godin ruft uns dazu auf, ein Linchpin zu werden. Linchpin (engl. Herzstück, Stütze, Achsnagel, Dreh- und Angelpunkt). Dies geht nach Godins Dafürhalten nur, indem jeder seine ganz spezielle Kunst erschafft, die für sich genommen jeweils ein Geschenk an jemanden sein kann, indem man auch auf sein Bauchgefühl hört. Er bringt als Beispiel den Kellner, dessen wahre omnipräsente Aufmerksamkeit und Freundlichkeit nicht durch ein Handbuch beschrieben werden und nicht von jemandem reproduziert werden kann, der nicht von sich aus so sein möchte. Dieser Kellner gibt seine Kunst als Geschenk an die Gäste und das Restaurant und ist doch wahrscheinlich zufriedener als der Kollege, der die Minuten zählt. Godin schreibt mehr vom Künstler als vom Linchpin, mir erscheint ersteres als das zentrale Konzept seines Buches.

Was für Gunter Dueck der Professional, ist für Seth Godin der Künstler (wobei das englische »artist« viel schöner klingt).

Professionelle Intelligenz

Als gelernter Mathematiker strukturiert Dueck die PQ, die professionelle Intelligenz in ihre Teilbereiche (alle Zitate aus dem Buch):

  • IQ- »die normale Intelligenz des Verstandes«
  • EQ – »die emotionale Intelligenz des Herzens und der Zusammenarbeit«
  • VQ – »die vitale Intelligenz des Instinktes und des Handelns«
  • AQ – »die Intelligenz der Sinnlichkeit (›Attraction‹) und der instinktiven Lust und Freude«
  • CQ – »die Intelligenz der Kreation (›Creation‹) oder der intuitiven Neugier«
  • MQ – »der ›Sinn für Sinn‹, also die Intelligenz der Sinnstiftung und des intuitiven Gefühls (›meaningful‹, bedeutsam)«

Die Häufung des Wortes »intuitiv« fällt auf, und so verbringt Dueck auch einige Kapitel mit Lösungsansätzen, wie denn Menschen diese verschiedenen Arten von Intuition erwerben können. Immer geht es um angeleitete Erfahrung durch einen Professional, was im heutigen Lehrsystem trotz Engagement mancher Lehrer leider nicht wirklich darstellbar ist. Und es hängt auch nicht nur am (Hoch-)Schulsystem, sondern am Ökosystem aus Eltern und sozialem Umfeld. Dieses Umfeld hat gravierende Auswirkungen, wie auch der Deutsche Lernatlas zeigt, den die Bertelsmann Stiftung jetzt vorgestellt hat, der Spiegel berichtet in der aktuellen Ausgabe darüber.

Somit ist bei Dueck die konkrete Handlung, das eigene Umfeld und das der Kinder positiv zu beeinflussen, um darin Professionals heranwachsen zu sehen und sie zu trainieren.

Die Kunst des eigenen Schaffens und das Schaffen der eigenen Kunst

Im Fokus steht bei Godin dagegen das Tun. Godin sieht als konkrete Handlung, sich selbst dazu zu entscheiden, ein Linchpin zu werden bzw. zu sein, und der Akt des Tuns. Und wenn das im momentanen Arbeitsumfeld nicht geht, sich entweder ein neues zu suchen oder im ehrenamtlichen Bereich einen Mehrwert zu liefern. Verbunden mit dem Konzept der eigenen Kunst zeigt er Hindernisse auf, die einem beim Erschaffen der eigenen Kunst – er spricht von »der Arbeit« – zuwiderlaufen, und Lösungsansätze.

Diese Kunst, so schreibt Godin, könne eben nicht fest eingepreist werden, sondern trage zu einer Kultur des Schenkens bei. Das Schenken wiederum bereichere ja nicht nur den Beschenkten, sondern auch den Schenkenden selbst, da es dessen Reputation mehre und sich dies beizeiten real manifestieren könne. Dies wirke natürlich auf Dauer nicht bei dumpf reproduzierten Commodity-Geschenken, sondern eher bei originärer Kunst. Das kann die mit Herzblut erbrachte, außergewöhnliche Dienstleistung von Mensch zu Mensch ebenso sein wie ein kostenloser Rat. In vielen Jobs ist das Schaffen von Kunst möglich, und wer sich dazu entscheidet, ein Linchpin zu werden, der wird sich dafür auch ein Umfeld suchen, in dem das möglich ist.

Die Kunst kommt übrigens auch bei Dueck vor – als Arete, als Begriff des Hervorragenden. Ein Professional oder eben ein Linchpin vermag es, Arete zu erschaffen. Und wiederum ist es egal, und zwar beiden Autoren, ob es sich dabei um eine Sache, ein geistiges Gut oder die Art einer Dienstleistung handelt.

Professional und Achsnagel

Beides sind auch Motivationsbücher, wobei meinem Empfinden nach Dueck eher extrinsisch motiviert, während Godin direkt auf die intrinsische Motivation hinzielt.

Wer hat nun recht? Ich meine beide. Dueck geht das Problem mehr von der sachlichen Seite an und bringt den emotionalen Teil mit ein, Godin kommt mehr von der emotionalen Seite und bringt den sachlichen Teil mit ein. Ist ja auch logisch, denn ersterer war Mathematikprofessor und Technologiechef bei IBM Deutschland, zweiterer ist Unternehmer und Marketingexperte. Und doch sind sie sich näher, als es auf den ersten Blick erscheint.

Linchpin erschien eineinhalb Jahre früher als Professionelle Intelligenz, und doch fast gleichzeitig mit dem dueckschen Vorgängerbuch »Aufbrechen!: Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen«, das mehr die makroökonomischen Grundlagen der Veränderung der Arbeits- und Ausbildungswelt erläutert.

Kritiker

Beide haben ihre Kritiker. Dueck wird in den Amazon-Rezensionen zum Buch unter anderem vorgeworfen, er schriebe über weite Strecken ohne wirklich fundierte Begründung, und die Liste der für einen Professional erforderlichen Eigenschaften und Fähigkeiten übersteige ja wohl das, was ein normaler Mensch heute tun könne. Damit haben die Kritiker zweifellos recht und geben gleichzeitig ein Indiz dafür, dass sie das Ansinnen Duecks nicht verstanden haben: Das Leben wird kein Ponyhof mehr. Die Kompetenzen sind nicht so gemeint, dass jeder es  in allen zur Meisterschaft bringen muss, sondern ein Spektrum, in dem man sich der Gesamtheit bewusst sein sollte, jedoch durchaus eigene Schwerpunkte setzen kann. Dies erklärt Dueck auch.

Bei Godin wird in der Diskussion zum Wikipedia-Artikel über seine Person hinterfragt, wo aus seiner Historie er denn überhaupt die Kompetenz nähme, über Makroökonomie und Globalisierung zu schreiben. Auch hier wird von den Kritikern eine wissenschaftlichere Ausarbeitung verlangt, als Godin sie liefert. Selbst wenn Godin mehr Publizist denn Ökonom ist, tut das den Ideen, die er präsentiert, keinen Abbruch.

Für beide gilt: umgreifende Änderungen gingen in der Geschichte oftmals nicht von den in den jeweiligen Fachgebieten etablierten Wissenschaftlern allein aus, sondern im Zusammenwirken mit fachfremden und fachverwandten Querdenkern. Die Interdisziplinarität begünstigt doch gerade die Offenheit für Änderungen, weil eben jeder etwas anderes einbringt.

Der Dueck liest sich wie ein Dueck und der Godin liest sich wie ein Godin

Gunter Dueck nutzt im Buch seine Spannweite zwischen skurilen Geschichten und Strukturierung von Sachverhalten, was sich für mich immer angenehm liest. Das Lesen an sich ist hier keine Mühe, umso mehr bleibt Kapazität, um über das Gelesene nachzudenken.

Auch Seth Godin fällt mir leicht zu lesen – bzw. zu hören, da ich die ungekürzte Hörbuchfassung habe –, sein Stil ist jedoch mehr der eines Motivationsredners. Auch klar, schließlich kommt er mehr aus dem Marketing.

Ich fand beide Bücher sehr erhellend und motivierend und empfehle beide uneingeschränkt zur Lektüre: Professionelle Intelligenz: Worauf es morgen ankommt und Linchpin: Are You Indispensable?

(Foto: Joachim Schlosser auf Flickr, Lizenz CC-BY-SA)

 

 

 

Strandkehrmaschine am Morgen

Ökosystem Strand – 14 typische Bewohner

Die Urlaubssaison ist wohl vorbei. Wo waren Sie? Am Meer? Vielleicht am touristisch erschlossenen Meer? Was gehört eigentlich alles zum Ökosystem Strand? Die natürlichen Ressourcen sind freilich Meer, Sandstrand und Sonne. Wer aber lebt sonst noch hier? Wie funktioniert das System? Keine Angst, ich bin kein Biologe, sondern habe es mehr mit System als mit Öko. Meine Theorie: Immer, wenn die vier Ressourcen Meer, Sandstrand, Sonne und Geld zusammenkommen, entsteht folgendes Ökosystem in der einen oder anderen Ausprägung:

  1. Hotelier: beherbergt die Urlauber, ist erste Anlaufstelle. Zwischen einzelnen Hotels bestehen große Qualitätsunterschiede. Die meisten der anderen Bewohner des Ökosystems benötigen das Hotel als Katalysator, um ihren eigene Rolle ausfüllen zu können. Das Hotel selbst ist sein eigenes, kleines Ökosystem, welches ich hier jedoch nicht näher betrachten möchte.
    Wer nicht wie wie selbst mit angereist ist, der braucht vielleicht den nächsten Teil des Ökosystems:
  2. Busunternehmer: Irgendwer muss ja die ganzen Menschen erstmal aus Deutschland zum Strand karren. Wer nicht selbst anreist, kommt mit dem Bus. Das Klischee, jeder Bus enthielte mindestens drei Jahrtausende Lebenserfahrung, hält dem Realitätstest immer noch stand.
  3. Strandbetreiber: kooperieren teilweise mit Hotels, eher selten ist der Hotelstrand. Große Qualitätsunterschiede bestehen in Sachen Speise-, Getränke- und Unterhaltungsangebot wie etwa Spielplätze, das Grundangebot “Sand” ist überall gleich. Der Betrieb eines Strands kann anscheinend durchaus lukrativ sein, so mancher Strandbetreiber hat mittlerweile auch ein Hotel übernommen. Der Strandbetreiber fungiert auch als Wettervorhersage. Räumt er am Abend die vorderste Reihe Liegen weg, so sind für den nächsten Tag hohe Wellen garantiert.
  4. Hersteller von Strandliegen und Strandschirmen: Dürfte wohl eine Großindustrie in der Mittelmeerregion sein. Trotz der robusten Konstruktion und Ausführung, die die Liegen sehr dauerhaft machen, unterliegen sie natürlich einem Alterungs- und Abnutzungsprozess. Die meisten Liegen stammen tatsächlich aus einheimischer Produktion. Das Quietschen des Dachs ist übrigens Grundvoraussetzung und dient als Einschlafhindernis.
  5. Badetuchverkäufer: fliegender Händler, der dem Strandgast Badetücher andingt. Überwiegend sehr höfliche und fröhliche Menschen, was daran liegen mag, dass mit Badetüchern tatsächlich Umsatz zu machen ist. Die Ware stammt zumeist aus ägyptischer Produktion und ist oft von einwandfreier, schwerer Qualität. Der Badetuchverkäufer gehört zu den Polyglotten, seine Vielsprachigkeit übertrifft die der meisten anderen Teilnehmer des Ökosystems. Hat dennoch wahrscheinlich eher keine Reisegewerbekarte.
  6. Coco-bello-Händler: Übernehmen den Bring-Service für Kokosnüsse (coco bello), Süßigkeiten (bóni boni) und kandierte Früchte (candidi)direkt zur Sonnenliege. Ihre Rufe erschallen in verschiedenen Stimmlagen und mit angepassten Texten. Sie sind für die Akustik des Ökosystems unbedingt erforderlich.
    Auch Teil der Akustik ist der nächste Bewohner:
  7. Animateure: In vielen Strandabschnitten beauftragt der Strandabschnittsbetreiber junge Leute, die anwesenden Kinder durch Mitmachtänze zu vielen lokalen und wenigen internationalen Schlagern sowie Bastelangeboten zu unterhalten. Auch sportliche Turniere in Boccia und Volleyball werden durch sie gern organisiert. Man kann geteilter Meinung über diesen Bewohner sein.
  8. Uhren-, Schmuck-, Hüte-, Tücherverkäufer: auch rennende Händler genannt, weil sie das Weite suchen, sobald sich Carabinieri (Polizei) zeigen. Tragen ihre Ware entweder über den Arm gelegt, hoch aufgetürmt auf dem Kopf, oder sie stellen an der Wasserlinie gleich ganze Klapptische auf. Sind üblicherweise keine Selbständigen, sondern in Kolonnen unterwegs. Wenn man an der richtigen Strasse sein Hotel hat, sieht man die Kolonne am Morgen anrücken. Samt Aufseher, das ist der, der nichts in der Hand trägt. Die Vielsprachigkeit ist hier oft nur vorgetäuscht, und beschränkt sich auf Attribute wie billiger, gute Preis sowie Markennamen wie Rolex, Breitling, Versace und ähnliche. Auf einen Coco Bello kommen übrigens 4-5 dieser Nippeshändler.
  9. Masseusen: im Zweifelsfall noch schneller rennendes Volk, weil diese Damen von den Strandbetreibern nicht gern gesehen werden. Meist von ozeanischem oder asiatischen Anschein, versprechen sie den Badegästen Entspannung durch Massagio. Bisweilen sind dann am Strand klatschende Schläge zu hören, wenn sie gerade einen der gestrandeten Wale durchkneten.
  10. Carabinieri: selten gesehene Polizisten, die nach dem Rechten sehen. Um rennende Händler zu verscheuchen, kommen sie auch schonmal per Jetski übers Wasser. Die Nachhaltigkeit dieser Maßnahme ist zu bezweifeln.
  11. DSC06736 Tretboot- und Banana-Boat-Verleiher: Um sich auf dem Meer bewegen zu können, ohne zwangsläufig naß zu werden, gibt es die Verleiher von Wassergefährten. In der Regel sind diese mit Muskelkraft betrieben und weisen optional eine gerade oder gebogene Rutsche auf. Ebenfalls verfügbar sind große bananenförmige Gebilde, die hinter einem Motorboot hergezogen werden können. Beides fällt unter Spielgerät.
    Apropos Spiel:
  12. Spielhöllenbetreiber: Kinderfänger für den Nachwuchs jeden Alterns. Arbeiten mit einer eigenen Währung, den sogenannten Gettoni. Die kleinen erfreuen sich am Elektroautofahren, die größeren Daddeln an die Videospielen der frühen und späten 90er Jahre. Unser Nachwuchs war zudem vom »Scheibeln« begeistert (die genaue Bezeichnung des Spiels entzieht sich meiner Kenntnis, Update: es heißt »Air-Hockey«, dank an meine Ehefrau für die Übersetzung).
  13. Örtlicher Baggerdienst: Fährt morgens mit Bagger und Siebmaschine den Strand auf und ab, um den Sand zu glätten und aus der obersten Schicht die Muschelreste abzusieben, und gegebenenfalls angespülten Tang und anderen Unrat zu entfernen. Schließlich sollen die Badegäste ja den Sand genießen können. Daneben hat jeder Strandbetreiber auch selbst entweder eine Art Kehrmaschine zum anschieben, die ebendies für seinen Teil des Strands tut, oder zwei Arbeiter, die das mit Rechen und Schaufel erledigen.
  14. Tourist: Letztendlich zielt das Ökosystem natürlich darauf ab, den Touristen anzulocken, egal ob von fern oder von nah. Verschiedene Orte, ja auch verschiedene Hotels spezialisieren sich dabei auf verschiedene Arten und Herkünfte von Touristen. Der Tourist bringt eine wichtige Ressource in System, die unbedingt zu einem gesunden Ökosystem Strand gehört: Das Geld. Dafür darf er dann auch in zu kurzen Hosen und Muskelhemd beim Abendessen einen Berg Meeresfrüchtesalat auf seinen Teller häufen und das ganze mit etwas Roastbeef und Ketchup garnieren.

Habe ich noch etwas vergessen?

Gaswerk, Foto von Boris Ott

Noch nicht zufrieden oder besser als gedacht?

Augsburg, drittgrößte Stadt Bayerns, ist bekannt für… ja was eigentlich? Ein Zeitungsartikel in der Augsburger Allgemeinen über einige Feste und Veranstaltungen am Wochende zeigen Muster auf, die Hinweise auf das darunterliegende Problem geben.

Das »schwäbische Tollwood«

Da machen sich zwei Unternehmer auf und organisieren das Grenzenlos-Festival auf dem Gelände des Gaswerks, einem beeindruckenden Industriedenkmal von überregionaler Bedeutung, und manche nennen es sogar das »schwäbische Tollwood«. Es kamen 70000 Besucher, gehofft hatten sie auf 100000. Das Wetter schien problematisch zu sein, dennoch soll im kommenden Jahr eine Neuauflage folgen.

Wenn ich als Veranstalter mit der Presse spreche und damit tausende potentieller Gäste fürs Folgejahr, sollte ich dann herumweinen und meine Probleme und Hoffnungen ausbreiten? Was sendet das für eine Botschaft? Ich lese da »es war nix los« und »wenn das Wetter nicht optimal ist, braucht man nicht hinzugehen, das sagt sogar der Veranstalter«.

Reggae-Sänger Gentleman sang vor 1500 Besuchern, und ein Ensemble der Münchner Philharmoniker spielte ohne dass dafür Eintritt verlangt wurde, nachdem offensichtlich kaum Eintrittskarten verkauft wurden. Der Artikel schreibt »Strehle verbucht es unter Werbung«. Klingt das so als sei er froh darüber?

Will der Veranstalter das Event nochmal durchführen? Wohl ja. Wäre es dann vielleicht eine gute Idee, jetzt schon Lust auf das nächste Mal zu machen und das Interview als Werbemaßnahme zu nutzen? Ich meine ja. Meine Güte, 70000 Besucher an einem Wochenende, das ist ein Viertel der Stadtbevölkerung. Da kann man doch ruhig sagen »die Besucher kamen in Scharen und hatten Spaß. Wir sind stolz, aus dem Stand so ein attraktives Fest für Augsburg geschaffen zu haben. Trotz des Wetters kamen über 70000, wohl auch weil das Gelände ja durchaus auch Regenschutz bietet. Bei schönem Wetter nächstes Jahr sind wir zuversichtlich, noch einen draufsatteln zu können. Voll bewährt hat sich auch, das Konzert von Gentleman und dem Ensemble der Münchner Philharmoniker. Um möglichst vielen Besuchern den Genuß zu ermöglichen, haben wir diesen musikalischen Hochgenuß mit freiem Eintritt angeboten, was dann auch rege angenommen wurde.«

Die Fakten sind dieselben, und doch: klingt das nicht viel positiver und macht mehr Lust auf die Neuauflage des Festes?

Jakober Kirchweih

Ist das vorteilhaft, wenn das Zitat zum Fest »Dort muss frischer Wind rein, das ist nicht gut, was da läuft« lautet, so wie Sabine Hofmann vom Stadtteilverein lamentiert? Bei aller berechtigert Kritik, wäre es nicht für das durch die Zeitung ja angesprochene mögliche Publikum attraktiver etwas so anzusprechen: »Die Jakober Kirchweih ist das traditionsreichste Volksfest in Schwaben. Für das kommende Jahr nehmen wir uns zusammen mit der Stadtverwaltung und den Schaustellern einiges vor, damit die Augsburger die Schönheit des Festes noch mehr genießen und erleben können. Ich freue mich deshalb auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Ordnungsreferenten Volker Ullrich und dem Marktamtschef Werker Kaufmann.« Klingt das nicht deutlich positiver statt nur lamentierend?

Das Glas ist halb leer oder halb voll…

… und der Ingenieur sagt einfach, das Gefäß sei für die Füllmenge überdimensioniert. Im Ernst: Wer will zu einem Fest, bei dem der Veranstalter in der Zeitung lamentiert? Es geht ja nicht darum, immer top gelaunt zu sein und den Leuten was vorzuschwindeln. Doch die eigene Sichtweise macht die Realität, die eigene und beeinflusst auch die der anderen.

Augsburg ist Einstellungssache.

Doch die Frage bleibt: Trage ich mein Geld gern zu einem, der dann doch nicht zufrieden ist? Oder doch lieber zu einem Veranstalter der danke sagt und sich auch in der Zeitung auf mein Wiederkommen freut?

(Foto: Boris Ott bei Flickr, CC-BY-NC: Bestimmte Rechte vorbehalten)

Topothesie Cover

Unbedingt lesen: Gunter Dueck – Topothesie. Der Mensch in artgerechter Haltung

»Warum? Der Sinn des Lebens ist, dass Menschen voller Sinn das niemals wissen müssen.« (Dueck, Topothesie, S. 381)

Schmerzhaft. Mitreißend. Umwerfend. Philosphie. Angewandte Philosophie. Logik. Intuition. Gefühl. Es kommt wahrscheinlich eher selten vor, dass ein Professor der Mathematik ein Buch schreibt und ein Informatiker davon emotional tief berührt ist. Doch genau das hat Gunter Duecks »Topothesie« geschafft.

Alpha und Beta als Zustände des Seins

Nachdem ich über die Informatik-Spektrum-Kolumnen zu Dueck kam, war mein Einstieg »Lean Brain Management« und »Abschied vom Homo Oeconomicus«. Mit »Omnisophie« nahmen Dueck mich dann auf die Reise, ich erkannte die verschiedenen Menschentypen. Eben eine philosophische Darlegung, wenngleich eine für mich »Techie« wunderbar lesbare. »Supramanie« erklärte einige Mechanismen von Systemen der Gesellschaft, Wirtschaft und Bildung, die mir wie wahrscheinlich vielen anderen auch schon auffielen, doch es war mehr eine Beschreibung des Systems und die Wirkung auf den einzelnen. »Topothesie« hat keine Distanz mehr. Es geht um den einzelnen, um jeden einzelnen.

Dueck nutzt das Konzept der Theta-, Alpha- und Beta-Gehirnwellen, die in verschiedenen Lebensaltern und verschiedenen Wesensarten unterschiedlich stark ausgeprägt beim Menschen sind, und bezieht diese auf die Gedanken, Handlungen und Entscheidungen des einzelnen. Hektik, das bloße Befriedigen von Leistungsmessungen, extrinsische Motivation, das alles führt zum Hirnzustand Beta, »ist beta«, wie Dueck schreibt. Der Beta-Mensch will haben, etwas erreichen, verbraucht Energie. Im Alpha-Zustand kann der Mensch Quelle sein und Energie spenden, ohne sie zu verlieren. Im Alpha-Zustand ist der Mensch. Und er ist produktiver, gesünder.

Babys kommen als Alpha auf die Welt. Wodurch entsteht Beta? Durch psychische Verwundungen, die aus der Hauptstärke eines Menschen mit dem dazugehörigen »Pseudosinn« überlagern. Dueck verwendet durchgängig das Beispiel einer Muschel, die als Resultat einer Verletzung eine Perle erzeugt, die dann zusehends ihr Lebenssinn wird. Es entsteht eine »Machina«, die die psychische Verwundung schützen möchte und auf das »haben« fokussiert ist. Psychozid entsteht dann, wenn ein Mensch eines Typus fortwährend in einen anderen Typus im Beta-Modus hineingezwungen wird, und zwar von außen.

Wie kommen wir wieder zum Alpha? Durch »artgerechte Haltung«, uns selbst und unseren Mitmenschen gegenüber. Es gilt zunächst, zu akzeptieren, dass es richtige, wahre und natürliche Menschen gibt, die in ihrer Fühl- und Denkweise völlig verschieden sind. Deshalb haben sie nicht nur unterschiedliche Ziele, sondern auch unterschiedliche Wege dort hin, und unterschiedliche Stärken und Schwächen. Das wichtigste im Umgang mit der eigenen Bewältigungsmaschine, der »Machina«: »Hör auf!« Unser stärkster und zugleich schwächster Punkt ist meist dort, wo andere Menschen uns zu verstehen geben wir sollten aufhören. Der Kluge beim Klug sein. Der Perfektionist im Streben nach Perfektion. Und so fort.

Ohne Distanz

Dueck schreibt gewohnt gut verständlich. Philosophie kann ein unverständliches und trockenes Gebiet sein, wenn es ein Philosoph schreibt. Dueck war Mathematikprofessor, bevor er in die Wirtschaft ging, die Philosophie ist seine Nebenbeschäftigung. Das hat für mich als Leser den Vorteil, dass dieser Grenzgänger eben mehrere Fachgebiete kennt und Vergleiche bringt, die mir entgegenkommen. Dazu kommt Duecks ganz eigener Stil, mit wunderbaren erfundenen (?) Dialogen fiktiver (?) Menschen, die ebenso skuril und humorvoll wie nachvollziehbar und denkwürdig daherkommen. Und ich merke, dass  die Trilogie, deren Abschluß »Topothesie« bildet, etwas ganz persönliches für Dueck ist.

Dem Leser lässt Dueck keinen Abstand. Er fragt ihn direkt, fordert ihn auf, führt ihn in Gedankengänge, die kaum distanzierte Betrachtung zulassen, sondern direkte Beschäftigung mit dem Thema fördern.

Warum aber die Tränen? Dueck zeigte mir in »Topothesie«, wie es hätte sein können und wie es vielleicht wieder sein kann. Er erklärt mir, was passiert ist, und warum ich heute der bin, der ich bin.  Schwachpunkt und Starkpunkt zugleich. Zwei Seiten einer Medaille.

Angenehm fürs Auge

Wie auch schon die vorigen zwei Bände der Trilogie ist das Buch nicht in schwarz gedruckt, sondern in einem dunklen Türkis. Graphen und Schaubilder verdeutlichen passend in manchen Kapiteln die Ausführungen, und weiter hinten gibt es auch wieder Abdrucke einiger Gemälde. Speziell diese Abdrucke hätte ich mir entweder in Farbe (die Seiten in der Mitte des Buches sind mit »Farbtafeln« betitelt) oder dann doch lieber mit der Grundfarbe Schwarz gewünscht, da die Dynamik der Gemälde oft auf der Strecke bleibt.

Die Schrift selbst ist eine im Buchdruck übliche Antiqua, auch für die Kapitelüberschriften. Sie fällt nicht auf und ist deshalb meines Erachtens nach wunderbar geeignet. (Um welche es sich genau handelt, weiß ich nicht.)

Dueck gliedert sehr fein; ein Unterkapitel hat meist nur ein bis vier Seiten. Dies zerfasert zwar den Lesefluß bisweilen, macht jedoch die Struktur des Buches schön deutlich und bildet einen Gegenpol zu seinem sehr persönlichen, erzählerischen Schreibstil.

Artgerecht

Was bleibt?

Ich glaube, dass wir es schaffen können, wieder mehr Alpha-Denken in die Welt zu bringen. Jeder für sich und für seinen Nächsten. Meine Aufgabe ist zunächst einmal, keinen »Psychozid« an meinen Kindern zu verüben, sondern sie »artgerecht« zu erziehen und zu fördern. Selbiges gilt natürlich für mich mit mir selbst. (Wenn darüberhinaus noch Zeit für die Rettung der Welt in Sachen Alpha bleibt, dann mach ich das gern mal abends.)

Und für Sie? Lesen Sie diesen Dueck. Bitte. Er wird Ihnen gut tun.

TEDxMunich – Tweetrospektive

Eine gute Veranstaltung war dieses TEDxMunich am 7. Juni in der TonHalle München.

Beinahe wäre es mit dem Live-Twittern nichts geworden:

Die TonHalle ist in der Nähe des Ostbahnhofs leicht zu finden, und zu spät bin ich auch nicht dran:

Pünktlichkeit ist ja die Kunst abzuschätzen, wie weit sich der andere verspäten wird. Und damit lag ich ganz gut.

TEDxMunich - Stage

Die Halle selbst erstaunt mich dann doch, weniger wegen der Halle selbst, sondern mehr wegen der Nicht-Dekoration. Ein großes TEDx-Logo hätte bestimmt noch zum TED-Feeling beigetragen und sich auf Fotos wohl gut gemacht.

Nach zwei für mich schwer zugänglichen Vorträgen zum Auftakt gibt es nun den ersten Redner, der sichtbar zum und mit dem Publikum spricht und sich nicht hinter Technik versteckt, obwohl er Technik nutzt:

Peter Plantecs virtuelle Assistentin ist – trotz großer technischer Schwierigkeiten und Verzögerung – ein versöhnlicher Abschluß der ersten Session.

Bei Naomi Isaacs Vortrag über ihr Projekt »Jeder kann singen« ist für mich dann endgültig die Eröffnung von TEDxMunich. Ihre Präsenz, ihr bewußter Einsatz von Sprache, ihr Herantreten ans Publikum, die kleinen Übungen für alle, das war ganz großes Kino. Übrigens ohne jegliche Technik.

Prof. Klumpner bei TEDxMunich

Die Zusammenballung von immer mehr Menschen in städtischen Umgebungen ist eine Herausforderung, die speziell in der südlichen Hemisphäre zu gigantischen wilden Siedlungen führt (zu dieser Rede ist auch der Abstract lesenswert). Prof. Hubert Klumpner von der ETH Zürich berichtet über ein Projekt, bei dem in einer großen Siedlung eine Seilbahn als öffentliches Nahverkehrsmittel gebaut wurde. Alpenländische Ingenieurskunst als Lösung für ein Urbanisierungsproblem – wunderbar. Und ein sehr überzeugender Redner dazu.

Wie noch mehrmals an diesem Tag werden TED-Videos eingestreut, die durchwegs kurze, gute Reden von meist US-amerikanischen TED- und TEDx-Veranstaltungen bringen. Dies bremst jedoch leider das Live-Gefühl und macht es den anwesenden Rednern schwerer.

Dr. Peter Friess weiß, was im Silicon Valley in Sachen Kunst passiert, denn er hält das Tech Museum San José am laufen und gibt in seinem Vortrag Einblicke in die unterschiedlichen Vorstellungen eines Museum von europäischen und amerikanischen Besuchern, und dass die Kunst der Innovation auch stark darin besteht, existierendes zu finden und zur Anwendung zu bringen. Mir gefällt’s.

Wo kommt Innovation her? Wie läßt sich Innovation vorhersagen? In einer mitreißenden Rede gibt Richard Watson einen Einblick in die szenarienbasierte Vorhersagewelt. Die Zukunft hängt demnach davon ab, was jeder einzelne für sich als mentales Modell wählt.

Ein Feuerwerk an Gags aus guter Beobachtungsgabe brennen die Improvisationstheater-Künstler »Crumbs« ab. Stephen Sim und Lee White sind wunderbar aufeinander eingespielt und nehmen Versatzstücke aus den Reden bis hierher auf, wirbeln sie durcheinander und bauen eine tolle Parodie daraus.

Claudia Sommer mit beiden Händen in der Hosentasche bei TEDxMunich

Das Unglück von Fukushima ist tragisch und wäre wahrscheinlich vermeidbar gewesen, und dennoch kann ich persönlich mit der Rede der Greenpeace-Mitarbeiterin nichts anfangen (was an mir selbst liegen kann).
Sehr schön dafür die Musik danach mit der Jazzformation »Von Mosch-Levy-Hollander Group«. Zwei Saxophone, ein Kontrabass, Schlagzeug: das ist alles, was die Jungs brauchen, um abwechslungsreich und ansprechend zu spielen.

Das »Küken des Tages« ist Ricardo Sousa mit einem Vortrag über die Notwendigkeit, Unternehmertum in Schulen zu lehren statt bloßer Fakten. Wunderbar inspirierend, und obendrein optisch ansprechend umgesetzt:

. #TEDxMunich

— Dr Joachim Schlosser (@schlosi) 7. Juni 2011

Gesundheitsbedingt gibt es nur eine Videoverbindung zu Robert Caughlan, der Gedanken zu Naturschutz, Sauberkeit der Meere und eigene Verhaltensweisen mitgibt, dies aber auf sehr inspirierende und nicht belehrende Weise tut.

Im vorletzten Vortrag erzählt Vulkanologe Dr. Andrew McGonigle von der Uni Sheffield über Datenaufnahme und Deutung von vulkanischen Gasen. Ein sehr kurzweiliges, spannendes und doch komplexes Thema, überzeugend und mitreißend präsentiert!

Den rednerischen Abschluss bestreitet Frank X. Lonergan über das Burning Man Festival, eine alternative Kultur/Musik/Kunst-Party, die jedes Jahr in Nevada zehntausende eine Woche zum campen in die Wüste lockt. Schön illustiert und vorgetragen.

Das krönende Finale kommt wiederum von Sängerin und Coach Naomi Isaacs zusammen mit Pianist Andy Lutter.

Fazit: eine schöne Veranstaltung mit überwiegend guten Vorträgen. Gute Gespräche und nette Leute kennen gelernt.

Wer andere Eindrücke lesen möchte, wird bei Daniel Rehn fündig, der live gebloggt hat. Meine persönliche fotografische Erinnerung an den Tag findet sich auf 365 Tage:

TEDxMunich - 365 Tage

Soziale Netze und ihre analoge Entsprechung oder wie Sie Xing besser nicht benutzen

Xing Nachrichten

Halten Sie sich immer vor Augen, wie eine Aktion in einem sozialen Netz in der analogen Welt entprechend aussähe und respektieren Sie Ihr Gegenüber.

Der Sinn von sozialen Netzwerken – die Problemstellung

Wozu sind soziale Netzwerke wie Xing da? Um Kontakte, die man auf direkte oder indirekte Weise kennenlernt, aufheben zu können, um später mit dem betreffenden wieder in Kontakt zu treten, und um außerdem von deren Netzwerk profitieren zu können und diese im Gegenzug von unserem. Zumindest meiner Meinung nach.

Wozu sind soziale Netzwerke nicht da? Zahllos Kontakte zu sammeln, die man nicht kennt, ist wohl weniger das Ziel, gleichwohl es Mitglieder gibt, die dies verfolgen. Zumindest meiner Meinung nach.

Eine Spam-Nachricht in Xing – das konkrete Beispiel

So erhielt ich unlängst folgende Xing-Nachricht:

Xing NachrichtenspamHallo,
Sie sind Mitglied in der Gruppe <XYZ>,
ich würde Sie gerne zu meinem Netzwerk hinzufügen,
vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit gemeinsam an Synergien teilzuhaben
Gruss
##########

Hallo,
Sie sind Mitglied in der <ABC> ,
ich würde Sie gerne zu meinem Netzwerk hinzufügen,
vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit gemeinsam an Synergien teilzuhaben
Gruss
##########

Tatbestand des Spammens – die Interpretation

Seit dem Tag bin ich davon überzeugt, dass man zum Spammer werden kann, ohne dass man sich selbst als solcher wahrnimmt. Was denkt sich jemand dabei? Nehme ich mir ein Telefonbuch heraus, rufe Leute an, deren Namen mir gefällt und frage, ob sie mich nicht in ihr Adressbuch aufnehmen möchten? (Denn das ist ja ein Bestandteil der bidirektionalen Vernetzung in Xing). Und das, ohne sie persönlich anzusprechen, ja sich nicht einmal die Mühe zu machen, für die beiden Xing-Gruppen, von denen ich nur in einer Mitglied bin, separate Nachrichten zu verfassen?

Was ich ebenfalls nicht weiß, ist, wie man gemeinsam an Synergien teilhat, bislang ging ich davon aus, dass Synergien erst durch Zusammenarbeit entsteht. Und um noch ganz pingelig zu sein: »Gruß« schreibt man mit Eszett, weil das »u« davor lang gesprochen wird.

Nachdenken und analog handeln – Lösungsansätze

So sehe ich mehrere Ansätze, diese Nachricht zu verstehen und zu lösen:

  1. Derjenige ist interessiert daran, dass ich ihn in mein Adressbuch schreibe. Lösung: ich aber nicht, wird nicht passieren. Ich halte das für Spam und gab diese Ansicht auch an Xing weiter.
  2. Derjenige ist interessiert daran, was ich so mache. Lösung: dafür gibt es asynchrone soziale Netze wie Twitter. Dort kann er mir folgen, ohne dass ich etwas zu tun brauche.

Und was haben Sie jetzt davon? Welcher Grundsatz ist beim Umgang mit sozialen Netzen für mich hilfreich?

Beispiel: dieser Blogpost ist ein Blatt einer zusammengetackerten Mappe, die irgendwo auf einem Tisch im Foyer einer Tagung liegt. Müssen Sie nicht lesen, ich freu mich wenn Sie es doch tun. Ich poste den Titel und Link in Xing und Twitter und hefte damit das Blatt an mein schwarzes Brett. Wer regelmäßig auf mein schwarzes Brett sieht, wird also davon erfahren, muß aber nicht.

Da halte ich es wie der Artikel im Orange Marketing Blog: Ich nehme soziale Netze persönlich.

Halten Sie sich immer vor Augen, wie eine Aktion in einem sozialen Netz in der analogen Welt entprechend aussähe und respektieren Sie Ihr Gegenüber.

Welche Verhaltensweise in sozialen Netzwerken stört oder befremdet Sie? Bitte fügen Sie Ihren Kommentar hinzu.

Kunst, die auch Kunst-Laien begreifen – TED Prize Gewinner JR

Kunst. Ich bin kein besonders kunstbewanderter Mensch, doch das, was JR, ein französischer Künstler, da weltweit auf die Beine stellt, finde ich beeindruckend. Der Mann hat den TED Prize gewonnen, jener Organisation die hinter den Konferenzen von »Technology, Entertainment, Design« stehen, ganz nach dem Motto Ideas Worth Spreading.

Unbedingt ansehen!

Das ist Kunst, die jeder begreifen kann, sogar ich.