Schlagwort-Archiv: Geschichte

Internet Gehirn. Collage aus Fotos von everyone’s idle auf Flickr, Lizenz CC-BY-SA, und bhav.bhav auf Flickr, Lizenz CC-BY.

Lesen: Nicholas Carr – The Shallows. Wer bin ich, wenn ich online bin und was macht mein Gehirn solange

Gehirn? Internet? War da nicht vor einigen Monaten ein kleiner Aufruhr im Netz, als ein Manfred Spitzer ein Buch über digitale Demenz herausbrachte? Nicholas Carr hat sein Werk »The Shallows« – zu deutsch »Die Geistlosen« – schon 2010 veröffentlicht. Er nimmt sich nicht die gesamte Digitalisierung vor, sondern beschränkt sich auf die Effekte, die beim Nutzen von Webinhalten mit der Zeit entstehen. Der Titel »The Shallows« lässt schon erahnen, dass Nicholas Carr die Entwicklung nicht unbedingt begrüßt, wird doch shallow mit seicht, oberflächlich oder geistlos übersetzt. Im deutschen heißt das Buch »Wer bin ich, wenn ich online bin…: und was macht mein Gehirn solange? – Wie das Internet unser Denken verändert«

Dieser Post erläutert die Ideen des Buches und meine Einschätzung dieser und des Themas. Weiterlesen

Gelesen: Manfred Lütz – Gott. Eine kleine Geschichte des Größten

Ein Buch über Gott? Gibt’s da nicht schon mehrere ganz alte? Schon, aber Manfred Lütz packt die Sache anders an. Er erkennt den Gotteszweifel an, nimmt den Atheismus und Gottes-Skepsis als vielfältige Strömung wahr, um dann dessen einzelnen Arten zu analysieren und durch Inkonsistenzen als meist verständliche, dennoch persönliche Ausflüchte zu aufzudecken als sogenannten „schlampigen“ Atheismus. Die vielfältige Skepsis an Gott und speziell der scheinbare Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft ist oft ein Mißverständnis beziehungsweise ein Konstrukt der Publizistik. Weiterlesen

Gelesen: Noah Gordon – Der Medicus

Wir befinden uns im London des Jahres 1021. Robert Jeremy Cole verliert im Alter von neun Jahren kurz hintereinander Mutter und Vater. Seine Geschwister und er werden getrennt, Rob kommt als Lehrling zu einem reisenden Baderchirurg, der übers Land zieht und mit Gaukelei und einfacher Heilkunst seinen Lebensunterhalt verdingt.

Nach dessen Tod keimt in dem jungen Erwachsenen der Wunsch heran, ein echter Medicus – ein Arzt – zu werden. Er macht sich auf ins ferne Persien, um beim berühmtesten Arzt der Welt zu studieren. Nach langer Reise erlangt er das Wohlwollen sowohl des Schahs als auch des Arztes, er nimmt eine andere Identität an, um jenseits aller religiösen Vorurteile studieren zu können. Er gewinnt Freunde und verliert sie, er gewinnt das Herz einer Frau, und nach langen Jahren, nachdem das Königreich am zerfallen ist, machen sich der Medicus samt Familie auf den Heimweg nach Britannien.

Noah Gordon schafft es, über Kulturkreise hinweg eine ganz besondere Atmosphäre zu kreieren, die gleichwohl spannend wie realistisch ist. Facettenreich und doch schnörkellos schildert er das Leben des werdenden Medicus, gibt Einblick in die Konflikte zwischen den Religionen, läßt seinen Helden Vorurteile spüren und religionsübergreifend verbotene Forschung betreiben.

Der Medicus ist ein Buch, in dem das Mittelalter fernab von Königssagen und Märchen aus tausendundeiner Nacht wieder lebendig wird, das eben geraden vom Aufeinandertreffen der Kulturen lebt. Sehr lesenswert.

Gelesen: Stephen Hawking – Eine kurze Geschichte der Zeit

Prof. Dr. Stephen Hawking, Jahrgang 1942, Physiker und Mathematiker an der Uni Cambridge, hat 1988 (mit der Neubearbeitung 1997) sein wohl bedeutendstes Werk der Populärliteratur vorgelegt: Eine kurze Geschichte der Zeit.

Was ist die Raumzeit? Was bedeutet der Urknall? Dehnt sich das Universum aus? Welchen Einfluß haben subatomare Strukturen darauf? Was ist Zeit? Mit eigentlich staubtrockenem Inhalt, einem Überblick über kosmologische Denkmodelle hielt sich das Buch über Jahre in den Bestsellerlisten. Die Reise geht von der geschichtlichen Entwicklung des Modells des Universums über die Unschärferelation bis hin zu schwarzen Löchern und der Zeit selbst als Forschungsgegenstand. Welchen Einfluß haben die Hauptsätze der Thermodynamik auf den Fortgang der Zeit, und was kann sich schneller als das Licht ausbreiten?

Stephen Hawking hat – neben seiner ausdrucksstarken Sprache – einen Vorteil bei der Erklärung der Welt in ihrem Innersten: Er hat die Theorien nicht nur alle verstanden, bei einem Teil davon war er auch selbst maßgeblich an der Entwicklung beteiligt.

Hawking nimmt seine Leser ernst, während er über sich selbst auch schmunzeln kann, und das liest man auch. Er würzt seine Erklärungen mit persönlichen Anekdoten und Anmerkungen, ohne sich jedoch darin zu ergehen, sondern mehr als Randnotizen. Absolut lesenswert!

Eine kurze Geschichte der Zeit erschien im Original als „A Brief History of Time

Gelesen: Umberto Eco – Der Name der Rose

Im Jahr 1980 veröffentlichte der Altertumsforscher und Autor Umberto Eco seinen Roman „Der Name der Rose“, der auf einem mittelalterlichen Manuskript basiert. Hauptsächlich durch die fulminante Verfilmung mit Sean Connery und Christian Slater in den Hauptrollen wurde die Geschichte des Benediktinernovizen Adson und seines Lehrmeisters, des Franziskanermönches William von Baskerville, weltbekannt.

Im 14. Jahrhundert verbringen William und sein Adlatus – sein Schüler – Adson einige Zeit in einem italienischen Benediktinerkloster. Zum einen bat der Abt des Klosters William, einen rätselhaften Todesfall eines Mönchs zu untersuchen, zum anderen hat dieser einen Vermittlungsauftrag zwischen papsttreuen Kardinälen und papstkritischen Franziskanergelehrten.

Aus der Sicht Adsons werden die sieben Tage des Aufenthalts in der Abtei erzählt, eingeteilt in die kanonischen Zeiten, also die Gebetszeiten des Ordens. In einem komplizierten Geflecht aus Beziehungen und Geheimnissen sterben noch mehr Mönche, und die Ankunft eines gefürchteten Inquisitors treibt die Handlung ihrem Höhepunkt entgegen, der ein Geheimnis von wahrhaft spiritueller Bedeutung enthüllt.

Umberto Eco bietet mit „Il nome della rosa“ vorzügliche Unterhaltung, die jedoch nicht an der Oberfläche verbleibt, sondern den Leser mitreißt und zum Nachdenken veranlaßt; zum Nachdenken über die Rolle der Kirche, sei es im Mittelalter oder auch heute. Denn es lassen sich mehr Parallelen ziehen, als man auf den ersten Blick zu sehen vermeint.

Ich habe dieses Buch gelesen lange nachdem ich zum ersten Mal den Film gesehen habe. Selbstverständlich ist auch in diesem Falle das Buch facettenreichen, was schon allein angesichts des Umfangs nicht verwundert. So geht es auf die Hintergründe ein, stellt Bezüge zu den Konflikten der Zeit her und gibt ein detailliertes Bild der damaligen Situation des Mönchswesens, speziell der Splittergruppen des Franziskanerordens und der Papstsicht wider. Die zahlreichen lateinischen Originalzitate erschweren das Lesen dadurch, daß die Übersetzungen nicht als Fußnoten, sondern als Anhang gedruckt sind, lassen das Werk aber noch authentischer wirken.

Ein anderes Buch, das sich mit christlicher Geschichte – allerdings fiktiver Art – auseinandersetzt, ist Andreas Eschbachs „Das Jesus Video“.

Namensherkunft: Die Namen »Joachim«. »Julia«. »Schlosser«.

»Joachim«

Joachim ist hebräischen Ursprungs und bedeutet: »Den Gott aufrichtet«. Joachim wird in den alttestamentarischen Schriften mehrfach erwähnt, beliebt wurde er als männlicher Vorname in Deutschland nach der Reformation. Namenstag: 26. Juli. Zum Gedenken an den heiligen Joachim. Nach biblischer Überprüfung soll er der Mann der heiligen Anna gewesen sein. Ihr gemeinsames Kind war die Jungfrau Maria, die Mutter von Jesus. Joachim stammte aus dem Hause David und lebte in Nazareth.

Text und Bild aus: »Joachim«, name book, München, 1983

»Julia«

Lateinisch vom Geschlecht der Julier, übersetzt etwa »die Jugendlichen«. Beliebt wurde der Name als Vorname durch Shakespeares »Romeo und Julia«.

Julia ist ein Fluss in der Schweiz. Er entspringt am Julierpass (2284 müM), durchfließt das Oberhalbstein (Rätoromanisch: Surses) und die Schlucht des Crap Ses und mündet bei Tiefencastel in die Albula. Stausee in Marmorera zur Stromerzeugung.

In Helmstedt gab es von 1586 bis 1810 die Universität Academia Julia.

Julia ist auch der Name des Asteroiden Nummer 89, Julia.

Text: Auszüge des Artikels Julia aus der Wikipedia, steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation.

Der »Schlosser«

Schlosser (auch Kleinschmied). Wie die meisten anderen metallverarbeitenden Handwerker waren auch die Schlosser ursprünglich in der Zunft der Schmiede angegliedert.

Seit dem 14. Jahrhundert bildeten sie jedoch zunehmend mit anderen kleinen Spezialisten Mischzünfte, u.a. mit Armbrustern und Büchsenmachern (Bogener, Schleifern, Schwertfegern, Uhrmachern oder auch mit Harnischmachern, Sporern, Nagel-, Zirkel- und Messerschmiede). In Schlitz wurden die Zünfte „Handwerk“ genannt. In einigen wenigen Städten (z.B. in Bremen) blieben die Schlosser jedoch weiterhin mit den Schmieden vereinigt. Zahlreiche Städte, in denen das Schlosserhandwerk eine alte Tradition hat (wie z.B. in Velbert) zeigen Schlüssel und bzw. oder Schlösser in ihrem Wappen.

Als sogenannte Kleinschmiede stellten die Schlosser Vorhänge-, Türen-, Truhen- und Kassettenschlösser mit zum Teil komplizierten Fall- und Schließvorrichtungen, Schlüssel, Beschläge und Türbänder sowie Türklopfer und -griffe aus Stabeisen, Blechen und Drähten her.

Zu den beeindruckenden Produkten, die das Schlosserhandwerk im 16. Jahrhundert hervorgebracht hat, gehören u.a. auch künstliche Handprothesen mit ausgeklügeltem technischen Mechanismus.

Als im 19. und 20. Jahrhundert maschinell hergestellte Produkte immer mehr die handwerklichen Arbeiten verdrängten, zogen sich die Schlosser weitgehend auf die Bereiche der Bau-und Kunstschlosserei zurück.

Text aus unbekannter Quelle, gekürzt entnommen aus der Homepage von Familie Vogel (nicht mehr online).

Gelesen: Hoimar von Ditfurth – Innenansichten eines Artgenossen

Mit „Innenansichten eines Artgenossen“ legte Hoimar von Ditfurth, Jahrgang 1921, erstmals komplett dar, was ihn während seines Lebens und Wirkens als Professor für Psychiatrie und Neurologie sowie als Wissenschaftspublizist beschäftigt hat. Von Ditfurth verstarb 1989.

Von Ditfurth zeichnet mit spitzer Feder im Gerüst einer Autobiographie ein umfassendes Bild unserer Gesellschaft und unserer Zivilisation, spickt Anekdoten seines ereignisreichen Lebens mit wissenschaftlicher Grundlagenforschung, und hält vor allem auch mit seiner eigenen Meinung nicht hinterm Berg. Er erklärt die Zusammenhänge des Nationalsozialismus, den er als Junge und junger Erwachsener sowohl in der Schule als auch als Sanitätssoldat miterlebt hat, mit den archaischen Verhaltensweisen, die zu dessen Verbreitung wesentlich beigetragen haben. Innenansichten eines Artgenossen ist ein Geschichtsbuch, ein Kompendium der Geistes- und Naturwissenschaften und doch in keinster Weise oberlehrerhaft geschrieben. Ditfurth räumt mit einigen Ammenmärchen wie den Thesen des Dr. Freud oder der angeblich so unwissenden Bevölkerung zu Zeiten des Dritten Reiches auf. Nicht zuletzt jedoch vermittelt Ditfurth, warum unser Staat so ist wie er jetzt ist, und wie unser jetziges politisches Weltbild manipuliert wurde, das viele der aktuellen Probleme verursacht.

Drei mal mußte ich ansetzen. Das erste Mal, 1989, als es bei uns ins Haus kam, war ich zu jung für dieses Buch. Einige Jahre später, als ich mich wieder daran erinnerte, war ich immer noch zu jung dafür. Lange hatte ich es nun vergessen, bevor ich es mir vor kurzem wieder in die Hände fiel. Und diesmal war ich soweit, es zu verstehen. Ich halte Innenansichten eines Artgenossen für eines der wichtigsten Bücher überhaupt, das jeder nach Möglichkeit unbedingt gelesen haben sollte. Die Art und Weise, in der Ditfurth Geschichte und Wissenschaft zu verbinden vermag, ist einzigartig und aufschlussreich.

Gelesen: Katie Hafner, Matthew Lyon – Arpa Kadabra, Die Geschichte des Internet

Mitte der 60er Jahre gab die Abteilung ARPA des US-Verteidigungsministeriums die Entwicklung eines Computernetzes in Auftrag, um die Supercomputer einiger amerikanischer Eliteuniversitäten miteinander zu verbinden. Dieses Netz ist die Grundlage dessen, was wir heute als das Internet kennen, ein zur damaligen Zeit revolutionäres Konzept, den Computer auch als Kommunikationsinstrument zu sehen und nicht auf bloßes Rechnen zu beschränken. Die Gruppe um J.C.R. Licklider, Menschen mit unterschiedlichsten Spezialisierungen, über das ganze Land verteilt, rief das ARPANET ins Leben, lange, bevor an Protokolle wie TCP/IP zu denken war.

In jedem Kapitel werden andere Persönlichkeiten und ihr Beitrag zur Entstehung des Netzes beschrieben. Aus faszinierenden Episoden fügt sich das gesamte Bild zusammen, die Autoren verstehen es, auch die technischen Inhalte einem breiteren Publikum verständlich zu machen. So gesehen ein Geschichts- und ein Geschichtenbuch, das nicht irgendwelche historischen Aufzählungen beinhaltet, sondern die Sorgen und Probleme realer Menschen, die das angefangen haben, was viele erst seit Mitte der 90er Jahre kennen.